Dornenhimmel – Leseprobe

Ein kleiner Vorgeschmack, für eine prickelnde Autobiographische Buch-Erzählung

– DORNENHIMMEL – Gefangen im Zwielicht – Band 1

Viel Vergnügen wünscht Andrea Dorijal   

Künstlername als Domina:  Mistress Dorina

 

Erste Einblicke ins Milieu als Jugendliche  (1973)

Wenn ich an die erste unheimlich spannende Begegnung mit SM dachte? Wie lange war das schon her!? Unbeschwert jung war ich, sonnig sorgenfrei, fühlte mich siegessicher sowie unverletzbar. Irgendwelche Zukunftsängste kannte ich nicht! Wo sind nur die Jahre geblieben?

Nun war ich doch eine Domina geworden, obwohl ich mir das insgeheim irgendwie gewünscht hatte, aber andererseits nie wirklich vorstellen konnte. Mein Schicksal hatte mir letztlich den Weg dorthin gezeigt. Unschön waren allerdings die konzentriert ungerechten Stolpersteine, die man mir in den Weg gelegt hatte. Darauf hätte ich sauber verzichten können! Was wohl aus meinen Freundinnen von früher geworden war, überlegte ich und war sicher, keine von ihnen hatte einen ähnlichen Beruf wie ich ergriffen. Ja, ein Klassentreffen müsste wieder stattfinden. Ich könnte es organisieren, um alle wiederzusehen! Wenn die Zeit dafür da wäre, würde ich mich damit beschäftigen. Dies nahm ich mir fest vor, während ich mich wohlig in der Badewanne rekelte und von der Vergangenheit träumte.

Nun würde ich mich erst einmal ausgiebig mit meiner Schönheitspflege und gedanklicher Entspannung beschäftigen. Das baut mich auf! Selbstvergessen träumte ich mich zurück in meine Teeny-Jahre. Süße 15 war ich und sogar ein Mitglied einer fünfköpfigen Mädchen-Gang. Außerhalb der Schule hatten wir fast pausenlos nur Schabernack und trieben Sperenzchen, die uns Freude machten. Mit einer Hippie-Gruppe traten wir ab und zu auf, sangen für ein paar Groschen am Schlossplatz in Stuttgart, tranken Bier, rauchten heimlich und zogen manchmal sogar an einem Joint. Wie unbekümmert wir waren, Peggy, Gaby, Susi, Anastasia und ich. Es war aufregend, vieles heimlich zu erleben, ohne dass unsere Eltern die geringste Ahnung gehabt hätten, was wir trieben. So trugen wir ultrakurze Hot Pants, kurze Tops und heiße Stiefel, deren Schäfte geschnürt wurden, wodurch viel Haut sichtbar war. Spaßig ausgelassen verdrehten wir haufenweise den Jungs die Köpfe! An manchem Abend kamen wir zu spät heim, gleichwohl hielten wir immer zusammen, schworen alle fünf, bei der Schwimm-AG der Schule gewesen zu sein und hofften, unsere Eltern würden keinen Verdacht schöpfen. Natürlich hatten wir beim Nachhause kommen längst unsere braven, langen Jeanshosen an.

Dennoch war ich an einem Sonntagabend zu Hause böse aufgefallen. Als ich erst gegen 23:00 Uhr nach Hause kam, schlich ich mit klopfendem Herzen zum Zimmer meiner Schwester im Erdgeschoss. Ich hoffte, dort unbemerkt hineinschlüpfen zu können, da hätte ich, wenn die Eltern mein leeres Zimmer oben vielleicht bemerkten, mich verteidigen können, ich wäre den Abend bei meiner Schwester gewesen.  Leider ging mein Plan nicht auf: Als ich leise die Zimmertür öffnete, traf mich ein zorniger Blick aus den Augen des erbosten Vaters, der dort auf mich wartete. Ohne ein Wort packte er mich am Arm, schleuderte mich aufs Bett und begann mich mit der Leine unseres Hundes zu verprügeln. Ich flehte: „Bitte höre auf!“ Er hörte nicht auf. „Treibst du dich noch einmal nachts draußen herum …“, brüllte er, während er weiter auf mich einschlug. „Das werde ich dir austreiben, meine Tochter benimmt sich nicht wie ein Flittchen!“ Erst als ich schwor, so was niemals wieder zu machen, ließ er von mir ab und ging aufgebracht aus dem Raum, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen. Weinend blieb ich zurück und konnte seine Reaktion überhaupt nicht verstehen. Heute weiß ich, es war die pure Angst um mich! Er hatte sich bestimmt während des Wartens die grausigsten Szenarien ausgemalt, was mir hätte passieren können. Schließlich war ich seine kleine, über alles geliebte Andrea!

Ab diesem Tag wurde meine ältere Schwester damit beauftragt, mich zu beaufsichtigen, was ihr natürlich nicht passte. Schließlich wollte sie freitagabends ausgehen, wenn Mutti in einem Restaurant als Bedienung aushalf und Vater in das Fußball-Vereinsheim ging. Da war ich für sie ein Klotz am Bein. So überlegten Karin und ich, wie wir es drehen könnten, trotz Vaters Anweisung ausgehen zu können. Wir hatten dann die Idee, sie würde angeblich eine Freundin besuchen und mich mitnehmen. Dieses Vorhaben ließ mich regelrecht frohlocken, ich sah mich schon in einer aufregenden Disco in Stuttgart. Glücklicherweise waren unsere Eltern mit unserer Idee einverstanden. Dennoch, um 24:00 Uhr sollten wir wieder zu Hause sein. Natürlich hatte meine Schwester überhaupt keine Lust, mich mit zu ihrer Clique zu nehmen. Sicher sollte ich nicht genau dahinter schauen können, was sie so tat. Sie schminkte mich auffallend stark, so würde ich locker für eine Achtzehnjährige durchgehen, meinte sie, und so fuhren wir in die Stuttgarter Altstadt. Dort führte sie mich nur in eine Kneipe. Natürlich wunderte ich mich, dass dort keine Freunde von ihr waren und ich wollte sie gerade fragen, was wir hier sollten, als sie mir einen Zehner in die Hand drückte und mich anwies, mich nicht vom Fleck zu rühren: „Du bleibst hier, ist das klar? Ich treffe mich mit meinem Freund und werde dich nachher hier wieder abholen!“ Kaum hatte sie dies ausgesprochen, war sie bereits zur Tür hinaus gewitscht, und ich saß nun einsam an der Theke. Wie sollte ich mich hier verhalten, geschweige denn, was sollte ich alleine nur anstellen? Unsicher begann ich mich langsam umzusehen und fand dieses Publikum ein wenig seltsam.

Äußerst sexy angezogene Mädchen mit hohen Stiefeln saßen mit übergeschlagenen Beinen auf ihren Barhockern, kokett lächelnd in Gespräche mit Männern vertieft. Diese trugen lange schwarze Mäntel oder elegante Anzüge, die großen Hemdkragen weit offen, somit konnte man ihre behaarte Brust sehen. Am Ende der Theke standen zwei breitschultrige Männer mit schwarzen Lederwesten, auf deren Kutten ich große Schriftzüge ihres Clubs ausmachen konnte. Diese beiden faszinierten mich besonders, sie sahen mit ihren langen Haaren verwegen aus. Im Nebenzimmer entdeckte ich durch einen Türspalt einen Billardtisch, auf dem sich eine Frau halb sitzend, halb liegend rekelte. Über sie beugte sich ein Mann mit heruntergelassener Hose. „Mensch, wie im Porno“, dachte ich. Noch nie hatte ich Sex live gesehen. Höchstens in einem schlüpfrigen Film, den eine meiner Freundinnen von ihrem großen Bruder gemopst hatte. Gierig schielte ich durch den Türspalt, ich wollte beobachten, was weiter auf dem Billardtisch passierte. Plötzlich erhob sich einer der Lederwesten-Typen, stieß die Tür auf, ging hinein und warf sie hinter sich knallend zu. Damit war das Kino für mich vorbei.

Noch eine Weile verbrachte ich damit, die Leute in dieser schmuddeligen Umgebung zu beobachten. Nichts war so spannend wie das, was sich in dem Billard-Zimmer abspielte und was ich nun nicht mehr sehen konnte. Allein machte es keinen Fun, Darts zu spielen oder einen Titel aus der Musikbox auszuwählen. Ich hockte völlig planlos sowie mit gemischten Emotionen in einer Spelunke, in der ich niemanden kannte und auch niemanden näher kennen lernen wollte. Von den anwesenden Männern wurde ich zwar gemustert, doch zum Glück nicht angesprochen. Langsam wurde es mir unabsehbar langweilig, die Minuten zogen sich wie Gummi und es würde sicher noch stundenlang dauern, bis Karin wieder auftauchen würde. So zahlte ich und trat hinaus auf die Straße, um mich ein wenig umzusehen und mir vollends meine Langeweile zu vertreiben.

In der nächsten Straße gab es viele alte Gebäude mit roten Lampen in den Fenstern oder über dem Eingang, was ich witzig verlockend fand. Frauen mit knielangen hochhackigen Stiefeln und in kurzen Röcken liefen langsam auf und ab. Aus jedem Lokal hörte ich laute Musik. Niemand beachtete mich, ich konnte ungestört meine Blicke schweifen lassen, während ich auf den Pflastersteinen hinunter schlenderte. Linker Hand entdeckte ich einen wunderschönen Eingang, verziert mit Lichtern und goldener Farbe, der mich magisch anzog. Hier wollte ich eine Cola trinken!

Durch den dichten roten Windschutzvorhang trat ich in das Innere des Lokals und konnte kaum glauben, was ich dort sah. Dieser Ort erinnerte mich an ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. An einem goldverzierten Tresen saßen zwei Männer, die sich mit einer atemberaubend hinreißenden Frau unterhielten. Als sie mich sah, stand sie auf und kam mit stolzen Schritten auf mich zu. Atemlos ließ ich meinen Blick über ihren makellosen Körper gleiten. Sie trug schicke hohe Schuhe und ein knielanges rot funkelndes Kleid. Ihre langen glänzend schwarzen Haare bildeten einen faszinierenden Kontrast zu ihrer hellen Haut und ihren knallrot geschminkten Lippen. Noch nie war mir eine so bildschöne sowie elegant anmutige Frau begegnet wie diese Dame. Freundschaftlich legte sie ihren Arm um mich und schaute mich aus ihren großen, perfekt geschminkten Augen fragend an: „Was tust du hier, hast du dich verlaufen, Kleines?“ Beinahe liebevoll führte sie mich an die Bar, und ich folgte ihr bereitwillig. Sie wirkte überaus erhaben und doch unheimlich sympathisch, wodurch ich mich auf seltsame Weise zu ihr hingezogen fühlte. Mir fiel auf, dass die männlichen Gäste in diesem Amüsierlokal auffallend schick angezogen waren. Sie trugen goldene Ringe und Uhren, schauten mich erstaunt an und lächelten mir freundlich zu. Einer der Herren zog Dora zur Seite und flüsterte ihr was zu, woraufhin sie zu mir herüber sah und lächelte. Doras Ausstrahlung überwältigte mich, sie bewegte sich elegant wie eine Katze und die Herren schienen sie förmlich mit den Augen zu verschlingen, als sie mit einem von ihnen verschwand. Kurz darauf kam sie zurück und fragte mich, ob ich vielleicht Lust hätte, etwas Besonderes zu sehen. Unsicher war ich schon, dennoch, obwohl ich Dora nicht kannte, vertraute ich ihr. Mutig tat ich kund: „Ja!“ Sie nahm mich an die Hand: „Keine Angst, Kleines, dir wird nichts passieren, ich bin da und passe auf dich auf.“ Dabei öffnete sie eine schimmernde goldene Tür.

Mir blieb fast mein Herzchen stehen, als ich hinter ihr den Raum betrat. Da gab es so etwas wie eine Gefängniszelle, ein großes schwarzes, mit Nieten verziertes Kreuz und einige andere merkwürdige Möbelstücke, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Ehrfürchtig betrachtete ich den schwarz glänzenden Boden und ließ meinen Blick hinauf zu der gold-schwarz-rot verzierten Decke wandern. Fragend sah ich Dora an: „Was ist das alles, wo bin ich hier?“ „Gefällt es dir, Kleines?“, fragte mich Dora lächelnd. Mehr als ein sprachloses Nicken brachte ich nicht zustande. „Dies ist mein Reich, wie es einer Herrin gebührt. Du darfst gern die anderen Räume anschauen, wenn du möchtest!“

Von dem Raum, in dem wir uns befanden, gingen fünf Türen ab, von denen eine wieder zur Bar zurückführte. Nun öffnete ich eine Tür nach der anderen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hinter einer der Türen entdeckte ich eine Wand mit verschieden großen Löchern, durch die ein sanftes Licht fiel, und mit einem Schiebefenster. Wenn man durch dieses schaute, sah man ein traumhaftes Himmelbett aus Metall, mit roten Samtvorhängen und einer roten Samtdecke. In dem Raum standen überall königliche Kerzenständer mit großen Kerzen, über dem Bett entdeckte ich einen Spiegel. Noch nie hatte ich goldene Möbel gesehen, wie diese Kommode und diesen Spiegeltisch, auf welchem Parfümflaschen wie auch unzählige Kerzen standen, welche Dora entzündete, während sie das Licht langsam löschte. Nun wurde der Raum in ein sanftes, flackerndes Candlelight getaucht. Unfähig etwas zu sagen, stand ich da, völlig eingenommen von dieser knisternden geheimnisvollen Atmosphäre. Als Dora meine Schulter berührte, zuckte ich zusammen. Sie kam, um mich zu dem goldenen Schminktisch zu führen, damit ich auf dem barocken Stuhl davor Platz nehmen konnte. Sie fragte, ob ich Angst hätte. „Angst? Nein, ich habe keine Angst, ich finde alles himmlisch, fühle mich wie in einem Theater!“ „Dies ist eine interessante Beschreibung“, lachte Dora, nahm die goldene Bürste und strich damit zärtlich über mein langes Haar, während sie mich im Spiegelbild liebevoll betrachtete. Nach einer Weile führte sie mich wieder zurück in die Lokalität, die nun mit mehr Gästen besetzt war. Hinter der Theke bediente ein Schwarzer, bekleidet mit einer hautengen schwarzen Lederhose und einem weißen Hemd. Wir setzten uns hin und Dora fragte mich, ob ich gerne einmal zuschauen möchte, was sie mit ihrem Spielzeug in ihrem Reich machen würde. Geld würde ich selbstverständlich auch dafür bekommen, versprach sie. Ich war wahnsinnig neugierig und gab meine Zusage, ohne über ihr Angebot noch einmal nachzudenken. Nun waren wir für den kommenden Freitag verabredet.

Ich sah auf die Armbanduhr und stellte mit Erschrecken fest, wie spät es schon war. Eilig ging ich aus dem Nachtclub und zu der Kaschemme, in der meine Schwester mich sitzen gelassen hatte. Zum Glück war sie noch nicht da. Aufgeregt wartete ich noch eine Weile. Das war mir recht, ich wäre viel zu durcheinander gewesen, um jetzt noch belangloses Geplauder mit ihr zu halten. So hatte ich noch ein wenig Zeit, mich zu sammeln. Nach etwa einer halben Stunde kam sie und fragte mich, ob es schlimm für mich gewesen wäre, da sie mich lange allein gelassen hätte. Ich verneinte und erzählte ihr, die Stunden mit einem Mädchen Darts gespielt zu haben, was voll lustig gewesen sei. Als wir zu Hause ankamen, verzog ich mich sofort in mein Zimmer. Ich war froh, endlich allein zu sein, nur mit den Erlebnissen, die ich nicht geträumt hatte. Einschlafen konnte ich in dieser Nacht noch lange nicht, dafür war ich zu aufgewühlt. Ich konnte es kaum erwarten, am nächsten Tag auf dem Schulhof meine Freundinnen zu treffen und ihnen von dem Abenteuer zu berichten. Alle reagierten enorm skeptisch auf meine Ausführungen und protestierten, ich würde doch spinnen, wenn ich da noch einmal hinginge. „Du kannst froh sein“, schimpfte Peggy, „es hätte auch nicht so glimpflich ablaufen oder was passieren können.“ Ich hatte dennoch die Vermutung, sie fanden den Bericht spannend und würden gerne noch mehr erfahren. Sie argumentierten, ich sollte es mir besser noch einmal überlegen, wieder an diesen Ort zurückzukehren. Für mich allerdings waren die Würfel bereits gefallen. Es gab kein Zurück mehr, die Neugierde auf dieses seltsame Flair von Herrin Dora war grenzenlos.

Unendlich kam es mir vor, bis es schließlich Freitag war und ich mit Karin in die Stadt fahren durfte. Wieder setzte sie mich in der Kneipe ab und machte sich ohne Bedenken davon, um ihren Lover zu treffen. Ich wartete fünf Minuten, und als ich mir völlig sicher war, sie wäre verschwunden, spazierte ich zu dem Lokal mit der goldenen Tür. Mit klopfendem Herzen schob ich den schweren Vorhang beiseite. Dora kam freudestrahlend auf mich zu. „Hallo Kleine“, begrüßte sie mich, gab mir ein Glas Sekt in die Hand und stieß mit mir an. Nachdem wir unsere Gläser geleert hatten, gingen wir gemeinsam in ein fürstliches, mit viel Gold verziertes Zimmer, und sie deutete mir an, ich solle auf dem Barockstuhl Platz nehmen. Sie sah mich eindringlich an: „Kleines, wenn ich später das Schiebefenster öffne und ein Mann uns dabei zuschaut, wie ich dein prachtvolles Haar bürste, brauchst du dich nicht zu fürchten. Er möchte uns nur zusehen, weiter nichts. Würdest du dies für mich tun?“ „Natürlich“, nickte ich, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, was daran für einen Mann interessant sein könnte, uns beim Haare kämmen zuzusehen. Der musste wohl doof sein, dachte ich. Als sie das Schiebefenster öffnete, zitterte ich doch ein wenig, dennoch fühlte ich mich geborgen bei Dora. So vergaß ich schnell meine Unsicherheit, als sie wieder an meiner Seite war. Stolz und erhaben stand sie da, blickte liebevoll auf mich herab und bürstete sorgfältig mein Haar. Nach einer Weile flüsterte sie mir zu, ich solle mich nun gemütlich aufs Bett legen, die Augen schließen und mich schlafend stellen. Die Augen sollte ich geschlossen halten, egal was ich hörte. Und ich sollte nicht aufstehen, bis sie wieder zu mir käme. Die unbekannte und auch ungewöhnliche Situation ließ mich innerlich beben, allerdings auf seltsame Art faszinierte mich dieses Spiel auch. Ich vertraute Dora und war sicher, mir würde nichts geschehen. Dora schloss vorsichtig das Fenster und tuschelte, ich solle bedenkenlos lauschen, was in dem anderen Zimmer geschehen würde. Der Herr sei weit weg von mir, ich bräuchte mich nicht zu fürchten und sie werde mich später abholen. Dann klickte die Zimmertür und ich wartete nun, wissbegierig isoliert, in dieser würdevollen Umgebung. Stillschweigend lag ich auf dem Bett und hörte angestrengt auf die seltsamen Geräusche aus dem Nebenraum. Plötzlich erhaschte ich ein Stöhnen des Kunden, er gab Laute von sich wie in einem Pornofilm. Ich spitzte meine Ohren. Sogleich mischte sich ein Klappern von Doras hohen Schuhen darunter, ferner ein Klatschen, welches mich an die Schläge meines Vaters mit der Hundeleine erinnerte.

Mit strenger Stimme gab Dora dem Mann Befehle, ähnlich denen, die ich meiner Hündin Benka gab. „Sitz Sklave!“, herrschte sie ihn an. „Du perverser Versager, hast meine Tochter angeschaut!“ Wieder hörte ich es klatschen. Ob sie ihn heftig schlug? Irgendwann winselte er jammervoll, er würde niemals wieder solche verbotenen Triebe wecken, sie möge ihm doch bitte, bitte verzeihen. Ungerührt erklärte Dora, er käme nun in den Kerker, und da müsse er bleiben, bis sie ihn wieder entlassen würde. Kurz darauf hörte ich Gerassel von Ketten, wieder einen dumpfen Knall, als ob sie ihn brutal prügeln würde, dann das Klappen einer Metalltür, ein Drehen eines Schlüssels im Schloss und schließlich vollkommene Ruhe. Nun bekam ich doch Angst. Was würde jetzt passieren? Kam der Mann hier herein ins Zimmer? Stattdessen betrat Dora mein Zimmer, deren sanfte Stimme nun an mein Ohr drang: „Mach’ die Augen auf, Kleine!“ Sie sah mich strahlend an, und jegliche Furcht war mit einem Schlag verflogen, als sie mich lobte: „Du hast es gut gemacht!“ Ich war glücklich und sah, wie sie mit mir zufrieden war. Sie legte den Zeigefinger auf ihren Mund, um mir anzudeuten, ich solle ganz still sein. „Komm mit“, flüsterte sie, „und sei weiterhin mucksmäuschenstill!“ Wir gingen in den großen Raum, in dem sich die Gefängniszelle befand.

Der Gefangene kniete auf dem kalten Boden, seine Hände nach hinten gebunden, über dem Kopf eine Ledermaske, sein Körper mit teils blutigen Striemen übersäht. „Kind“, erklärte Dora mit stolzer Stimme, „dies ist ein Sklave, ein Niemand! Er hat doch tatsächlich die Unverschämtheit besessen, dich anzuschauen und uns unerlaubt zu beobachten. Was sagst du dazu, meinst du nicht, er hätte dafür eine angemessene Strafe verdient, mein Schatz?“ „Oh, ja, dies finde ich auch“, erwiderte ich darauf, mit erstaunlich fester Stimme, „er sollte ordentlich Schläge dafür bekommen!“ Ich schien richtig geantwortet zu haben, genau was Dora hören wollte, worauf sie mich vielsagend anlächelte: „Der Ungehorsame bekommt seine Abstrafung, da kannst du sicher sein!“

Unweigerlich musste ich an Achim, den blöden Schulkameraden denken, den ich gerne einmal hier eingesperrt und mit Doras Peitsche richtig durchgeprügelt hätte. Ohne den Sklaven weiter zu beachten, stolzierte Frau Dora mit mir ins Büro und frage mich, ob mir die kleine Show gefallen habe. Ich hätte lügen müssen, wenn ich gesagt hätte, es wäre nicht so, ich war phänomenal begeistert. Ja, ich war absolut beeindruckt. Dora holte eine hübsch verzierte Kassette aus dem Schrank und reichte mir einen Schein. „50 D-Mark“, rief ich erstaunt aus. „Wofür sind die?“ „Dies ist dein Geschenk von mir, da du mich ins Studio begleitet hast.“

Staunend bekam ich meinen Mund kaum wieder zu. Wow, so ein Scheinchen, ohne dafür was tun zu müssen! So viel Geld hatte ich noch nie auf einmal bekommen, der absolute Wahnsinn! Sie musste mir wohl angesehen haben, wie überrascht ich war, und erklärte mir, dies sei nur ein „Spiel“. Der Herr wäre immens glücklich gewesen, etwas Derartiges erleben zu dürfen. Ich konnte es nicht begreifen. „Er war glücklich über ein bisschen Zuschauen, als du mich gekämmt hast?“, fragte ich sie ungläubig. „Andrea, du kannst es heute noch nicht einschätzen, welche Wirkung du auf Männer hast, besonders auf diejenigen, für die du unerreichbar bleibst“, erwiderte sie. Voller Vertrauen erzählte ich ihr, wie arg mir der Mann im Kerker leidgetan habe. Nun begann sie mich auszufragen, wollte wissen, wo ich herkomme und wie ich in dieses Lokal gekommen sei. Viele Fragen auf einmal, ich war sprachlos. Nur als sie mein Kinn mit dem Finger anhob, mir in die Augen schaute und ans Herz legte, ich müsse nun antworten, da hatte ich schlagartig keine Bedenken mehr. „So ist es gut“, sprach sie sanft, als ich ihr alles gebeichtet hatte. „Du darfst mich Dora nennen. Die Männer hier müssen mich allerdings als Herrin, oder Madame Dora ansprechen.“ „Gerne, Dankeschön, Dora“, antwortete ich artig, obwohl ich keine Vorstellung davon hatte, was eine Herrin war. Unerwartet betrachtete sie mich mit einem prüfenden Blick und fragte: „Sag’ mal, wie alt bist du eigentlich?“ Stotternd versuchte ich, schnell das Thema zu wechseln. Da war ich bei ihr allerdings an der falschen Adresse. „Nicht ablenken“, tadelte sie mich scharf. Eingeschüchtert gestand ich ihr, ich würde im Februar sechzehn.

Nun war sie es, die nach Luft rang. „Was? Noch keine sechzehn? Was um Himmels Willen machst du in deinem Alter abends allein in der Altstadt?“ Nach einigen Ermahnungen erlaubte sie mir, trotz meiner Jugend, sie wieder besuchen zu dürfen. Allerdings sollte ich nur noch den Hintereingang benutzen, sie würde sich strafbar machen, wenn man mich hier aufgreifen würde, schimpfte sie. Dann fragte sie mich deutlich, ob ich wirklich aus freien Stücken wiederkommen wolle und sehen möchte, was man alles mit den Sklaven mache. Daraufhin gab ich mit gefestigter Stimme ein klares „Ja“ von mir, was sie sichtlich freute. Ich war für sie wohl eine gute Einnahmequelle, so viel war mir inzwischen klar geworden. Ich fragte mich, was sie von den Männern für diese Behandlungen kassieren würde, wenn sie mir schon 50 DMark für diese kurze Begebenheit geben konnte. Wie auch immer, ich fühlte mich hin und her gerissen zwischen Neugierde, Angst und auch dem Reiz des Verbotenen. Wirklich fest stand für mich, ich wollte mehr über diese neue, geheimnisvolle Materie erfahren. Dora stellte klare Regeln auf: „Wenn ich wieder einen Kunden habe, der ein Mutter-Tochter-Rollenspiel mag, dann mache ich einen Termin, und du bist dabei. Allerdings hole ich dich dann an der Straßenbahn-Haltestelle ab. Mein leibeigener Sklave wird dich später wieder zur Haltestelle begleiten. Bist du noch immer sicher, dass du dies möchtest?“  Ich war mir sicher und antwortete erneut klar und deutlich mit einem „Ja“. Dora nickte zufrieden und drückte mir einen Zettel mit ihrer Telefonnummer in die Hand, den ich sicher aufbewahren sollte. Handys gab es damals noch nicht. Aufgewühlt, trotzdem irgendwie beflügelt trat ich durch den Hinterausgang in die Hinterhofgasse hinaus. Schnell laufend machte ich mich auf den Weg zu der Kneipe, in der ich eigentlich auf Karin warten sollte. Auch dieses Mal hatte ich Glück, und meine Schwester traf etwas später ein als ich. Wieder flunkerte ich vor, Darts gespielt und mich mit einer Frau unterhalten zu haben. Diesmal hatte ich noch nicht einmal gelogen. Karin stellte Gott sei Dank keine weiteren Fragen, sie war viel zu stark mit sich selbst beschäftigt.

In dieser Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Meine Sinneseindrücke kreisten um die spannenden Geschehnisse des Abends, um die erhabene Herrin Dora, ihre gesamte Erscheinung und den um Gnade flehenden Mann in ihrem Gefängnis. Noch konnte ich alles nicht begreifen, aber diese stolze Dame verzauberte mich. Sie strahlte eine ungeheure Autorität aus und konnte dennoch so liebevoll, ja fast zärtlich mit mir umgehen. Die Herren schienen ihr zu Füßen zu liegen. Welches staunenswerte Bewusstsein musste dies wohl sein, so viel Machtfülle über das doch eigentlich stärkere Geschlecht zu haben? Ich stellte mir vor, wie Achim, den ich gerne für seine Frechheiten bestrafte, vor mir kriechen würde, wie der Kunde es heute vor Dora gemacht hatte. Bei dieser Vorstellung empfand ich ein wohliges Kribbeln in der Magengegend. Irgendwann in dieser Nacht fiel ich in einen unruhigen Schlaf mit wirren Träumen.

Am nächsten Tag erwarteten mich die Kameradinnen völlig gespannt und konnten es kaum erwarten, meine ungeheuerlichen Sensationen, was ich am Tag zuvor erlebt hatte, aufzunehmen. Wie gebannt und mit großen Augen hingen sie an meinen Lippen, konnten nicht genug davon bekommen. Auch sie hatten noch nie von Damen gehört, die sich die Herren untertan machten. In ihren Familien sah es so aus wie in meiner eigenen. Der Vater hatte das Sagen, und die Mutter kuschte vor ihm, wenn er ärgerlich war und laut wurde. Keine meiner Freundinnen war bisher in der nächtlichen Altstadt gewesen, darum beneideten sie mich glühend um diesen Nervenkitzel. Sie klangen, als sei ich zeitweise auf einem anderen Planeten gelandet, auf dem keine meiner Vertrauten jemals aufsetzen würde.

Ein paar Tage später nahm ich mein beschriebenes Zettelchen von Dora – welches ich hütete wie einen wertvollen Schatz – zur Hand und wählte herzklopfend ihre Telefonnummer. Es war mittags und ihre Stimme klang verschlafen. Ich hatte nicht bedacht, sie betrieb ja ihren Club nachts und so musste sie tagsüber schlafen. Schließlich kannte ich nur Menschen, die früh zur Arbeit oder zur Schule gingen. Trotz ihrer Müdigkeit klang Dora erfreut, von mir zu hören. „Gut, dass du dich meldest! Es gibt einen Termin am Donnerstag um 14:00 Uhr. Kannst du da sein?“ Ich konnte meine Freude und Aufregung kaum verbergen. Ich würde wieder zu ihr gehen können und es würde sogar einen Kunden geben, der auch mich sehen wollte! Als ich Dora fragte, ob sie etwas Passendes für mich zum Ankleiden hätte, bejahte sie dies, das sei kein Problem. Ich sollte ein wenig früher da sein, damit wir noch Zeit zur Anprobe hätten.

Als ich in ihrem Studio, wie sie es nannte, eintraf, kam sie mir erfreut entgegen und umarmte mich liebevoll. „Freut mich, dich zu sehen. Komm’ schnell mit nach hinten, dort habe ich für dich ein reizendes Kleid bereitgelegt.“ Gespannt folgte ich ihr. Enttäuscht glitten meine Augen über ein langes weißes Kleidungstück, das sie sorgsam auf dem Bett drapiert hatte. Es sah fast aus wie ein Brautkleid. Wie gerne hätte ich auch so etwas elegantes Schwarzes getragen, wie Dora. Dennoch ließ ich mir nichts anmerken, zog ein wenig enttäuscht den Fummel an und ging zum Schminktisch, wie Dora es mir aufgetragen hatte. Sie begann mein Haar zu bürsten und steckte es mit geschickten Bewegungen hoch. Verwundert betrachtete ich mein Spiegelbild. Wie eine Prinzessin sah ich aus. Dora war begeistert. „Du siehst bezaubernd aus, Andrea! Nun lege dich hier aufs Bett und schließe deine Augen, wie beim letzten Mal!“ Dora verließ kurz den Raum.

Während ich aufgewühlt dalag und wartete, geisterte ein wahrer Gedankensalat durch meinen Schädel. Was würde wohl passieren? Würde es vielleicht so sein wie beim vorherigen Ablauf? Die Grübeleien wurden durch das Öffnen der Tür unterbrochen und ich hörte, wie Dora in Begleitung eines Mannes zurückgekommen war. Ungesehen leicht blinzelte ich unter meinen Wimpern hervor, da meine Neugierde letztendlich doch siegte. Der Mann neben Dora war groß und schaute auf mich herab. Doras Stimme war immer dominant und gehoben, wenn sie mit einem Kunden sprach. „Ich gestatte dir ausnahmsweise, einen Blick auf meine Tochter zu werfen, sie schläft. Ist sie nicht wunderschön?“ Der Mann antwortete mit brüchiger Stimme: „Oh ja, gnädige Frau, Ihre Tochter ist atemberaubend, sie raubt mir die Sinne. So jung, zerbrechlich und unschuldig.“ „Ich glaube es nicht“, vernahm ich plötzlich Doras erboste Stimme. „Du schaust meine Tochter an und erregst dich dabei? Das musst du büßen!“ Streng befahl sie ihm, sich sofort auf den Boden zu knien. Immer und immer wieder ließ sie die lange Peitsche auf seinen Hintern knallen und rief zornig: „Freundchen, dir werde ich deine Geilheit schon austreiben!“ Dann legte sie ihm ein Halsband um, befestigte daran eine Lederleine und zog ihn hinter sich her ins andere Zimmer, wo sie die Tür abschloss. So konnte ich nur die Geräusche im Nebenzimmer hören, was mir bei Weitem nicht genügte. Ich schlich mich zum Schiebefenster, welches ich behutsam leise öffnete. Dora hatte den Mann an das große Kreuz gefesselt. Breitbeinig stand er da, an den Hand- und Fußgelenken fest am Kreuz verzurrt. Ich hörte ihn aufstöhnen, als sie seine Brustwarzen lang zog und Metallklammern an ihnen befestigte. „So, du wertloses Stück Dreck! Hör mir jetzt aufmerksam zu! Auf diese Weise wirst du auf keinen Fall noch ein einziges Mal in deinem wertlosen Leben ein unschuldiges Mädchen ansehen! Du wirst dir dies trotz deiner armseligen Intelligenz merken! Verstanden? Ich hoffe, dein Hirn reicht aus, um diese Lektion aufzunehmen“, fügte sie noch spöttisch hinzu. Kurz darauf verschwand sie aus meinem Blickfeld. Nun hörte ich ein Zischen, wie es ein Reiben eines Streichholzes an der Streichholzschachtel verursachte. Gleich darauf war sie zurück und hielt eine flackernde Kerze in der Hand. Betont langsam schritt sie auf den Mann zu. Seinen angsterfüllten Blick schien sie wahrhaft zu genießen. Sie hielt die Kerze dicht an seine Brust und neigte sie ein wenig, daraufhin ergoss sich flüssiges Wachs über seine Brust. Ich konnte ihm ansehen, welche Schmerzen das heiße Wachs ihm bereiten musste. Er schrie und flehte sie an, damit aufzuhören. Dora lächelte fast mitleidig und fragte beinahe sanft: „Ach, hast du Schmerzen, tut es weh, ja?“ Augenblicklich wechselte ihre Stimmlage in den Befehlston: „Stell’ dich nicht so an, du Würstchen! Halte den Mund, du Abschaum, und akzeptiere deine Strafe, du hast sie verdient!“ Ohne sein Schreien weiter zu beachten, ließ sie noch etwas Wachs über seinen Körper fließen und fiel in einen regelrechten Generalston: „Weißt du, so ein Widerling wie du, der kann froh sein, wenn ich ihn überhaupt berühre, und wenn ich es tue, egal in welcher Form, dann hast du es dankbar anzunehmen. Und noch etwas! Weißt du, es interessiert mich nicht, ob es dir gefällt oder nicht, ob du Schmerzen hast oder nicht! Hier geht es nämlich nicht um dich, Freundchen! Hier geht es einzig und allein um mich. Mir macht es Vergnügen dich zu quälen, also hast du es hinzunehmen. Haben wir uns da verstanden?“

„Selbstverständlich, erhabene Herrin“, nuschelte der Mann kleinlaut. „Gut, ich höre, du hast verstanden“, äußerte Dora fast gütig, befreite ihn und steckte ihn in den Käfig. Sie befahl ihm, sich mit dem Gesicht zur Wand zu stellen, marschierte dann auf ihn zu und befahl ihm leise eine Anordnung, die ich leider nicht verstehen konnte. Dann sah ich, wie er mit einem Arm ruckartige und schneller werdende Bewegungen ausführte. Dies ging eine Weile so, dann hörte ich ein Stöhnen und Röhren, wie bei den Hirschen in der Brunft. Madame Dora ging zum Käfig, öffnete ihn und befahl dem Sklaven sich nun zu säubern, dann dürfe er gehen. Als wenn es die starken Erniedrigungen zuvor nicht gegeben hätte, verabschiedete Dora den Kunden freundlich, während er „Vielen Dank, Madame, bis zum nächsten Mal“ erwiderte. Erneut war ich vollkommen sprachlos. Dora war eine vollendete Schauspielerin. Sie konnte ihre Stimmlage von einem Satz zum anderen völlig verändern, von liebevoll bedauernd zu streng, spöttisch bis gleichgültig. Ich war absolut begeistert und verspürte auf einmal den starken Wunsch, dies auch zu lernen.

„Na, wie fandest du es?“, fragte mich Dora neugierig, als sie wieder ins Zimmer kam, in dem sie mich scheinbar schlafend zurückgelassen hatte. „Man nennt diese Sitzungen Behandlung“, erklärte sie mir, „die Herren wünschen es so! Nicht dass du denkst, ich würde sie gegen ihren Willen quälen. Nein, sie sagen mir in einem Vorgespräch, was sie gerne hätten und dann bezahlen sie mich dafür. Es hat also nichts mit Brutalität zu tun, verstehst du? Möchtest du dir jetzt mal mein Studio in Ruhe anschauen?“ So ein Angebot ließ ich mir natürlich nicht entgehen, denn meine Wissbegier war noch lange nicht gestillt. Dora zeigte mir nach und nach alle Räumlichkeiten. Nun durfte ich mir den Raum, in dem vorhin die Behandlung stattgefunden hatte, im Licht anschauen. Ehrfürchtig ließ ich meine Fingerkuppen über die Nieten gleiten, mit denen das hölzerne Kreuz verziert war. Danach inspizierte ich die Gefängniszelle, die man auch Kerker nannte, wie mir Dora erklärte. Der nächste Raum hatte ein Krankenhausflair oder das einer Arztpraxis. Alles war weiß gekachelt, in der Mitte des Raumes stand ein Stuhl, wie man ihn beim Frauenarzt findet. „Den nennt man gynäkologischen Stuhl“, weihte Dora mich ein. Hier handle ich so, als wenn ich die Männer ärztlich untersuche.„Und so etwas finden die Typen gut?“, fragte ich.„Ja, manche sind extrem skurril, fast süchtig danach“, bestätigte Dora.

Ein anderer Raum war eingerichtet wie ein Baby- oder Kinderzimmer. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und bemerkte einmal mehr, ich wusste viel zu wenig darüber. Ich fragte mich auch, was ein Mann davon haben könne, von Dora so gepiesackt zu werden. Ich konnte mir ein so ungewöhnliches Abdrehen absolut nicht erklären. Durch eine weitere Tür gelangten wir auf eine Art Plateau, das zum Treppenhaus führte. Hier entdeckte ich einen Flaschenzug, der von der Decke herab hing, und auf den Kommoden an der Wand sah ich die verschiedensten Instrumente liegen. Alles in dem mysteriösen Raum war in rot oder schwarz gehalten. Meine Vorstellungskraft reichte nicht aus, um darüber Spekulationen machen zu können, was man wohl mit diesen Instrumenten tun konnte, dass es einem anderen Menschen gefallen würde. Für mich war dies nur ein riesengroßes Rätsel, wenn auch ein aufregend spannendes. Am Schluss gingen wir wieder in meinen Raum, den ich inzwischen liebevoll Prinzessinnen-Zimmer nannte, in dem ich mich noch am wohlsten fühlte. Dora eröffnete mir, bei der nächsten Behandlung, also im Verlauf einer Session, dürfe ich bei ihr im Studio bleiben. Ich dürfe indes kein Wort sprechen und müsse ihr gehorchen. Mich zu Beispiel hinsetzen, wenn sie es befehle, und ruhig zuschauen. Der Termin für dieses Treffen sollte in der nächsten Woche sein. Dora versprach mir, ich dürfe dann auch etwas Schwarzes anziehen. Endlich!

In den Sessions musste ich sie mit Frau Dora, oder Madame Dora ansprechen. Dies hatte sie mir ausdrücklich aufgetragen. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Zum Abschied drückte sie mir 70 D-Mark in die Hand. Ich konnte mein Glück kaum fassen und machte mich schnell auf zum Bistro „Madriss“, in dem ich mit den Freundinnen verabredet war. Wieder waren alle gänzlich gespannt auf meinen Bericht und konnten es überhaupt nicht fassen, wie man jemandem Kerzenwachs auf die Haut träufeln konnte. „Aua, das muss doch höllisch weh tun, oder nicht?“, fragte Susi sichtlich unsicher. Ich griff nach der brennenden Kerze auf unserem Tisch und neigte sie langsam, bis ein paar Tropfen des heißen Wachses über meine Handfläche liefen. Erschrocken zog ich die Hand zurück. Dies tat wirklich höllisch weh! Wie schlimm mochte sich so etwas auf der Haut des restlichen Körpers anfühlen? Ich glaubte, dies wollte keine von uns wirklich wissen. Wir waren uns einig, es konnte doch nicht sein, dass es Männer gab, die für solche Schmerzen auch noch Geld bezahlten. Immer und immer wieder landeten wir bei dem gleichen Thema: Was hatten die davon? Keine von uns wusste auf diese Frage eine zufriedenstellende Antwort. „Ich werde es herausfinden, das verspreche ich euch“, schwor ich feierlich und sonnte mich in der Bewunderung der anderen. Durch diese ungewöhnlichen und besonderen Abenteuer im Studio von Herrin Dora war ich plötzlich zur aufregendsten Person in unserer Runde geworden. Von meinen Erzählungen konnten die anderen nicht genug bekommen. Hinzu kam, ich hatte auf einmal Geld. Ich teilte es gern mit meinen Freundinnen und lud alle ein, an unserem lustigen Nachmittag im Bistro. Nach einer Weile fragte Peggy, ob sie nicht auch einmal zuschauen könne, wie ein Mann geschlagen würde. „Ich werde Dora fragen“, verkündete ich, was ich aber nie tat!

Nach vier Wochen hatten unsere Eltern Karin von der lästigen Aufsichtspflicht über mich entbunden. Sie freute sich natürlich, doch für mich war es beängstigend, denn schließlich war es die Chance, Freitagabend nach Stuttgart zu kommen. Nun würde ich mir etwas anderes einfallen lassen müssen, um Dora weiterhin abends besuchen zu können. Dann kam mir die Idee, den Donnerstag-Schwimmkurs auf Freitag zu verlegen. So hatte ich die Möglichkeit, den Schwimmkurs zu schwänzen und stattdessen in die Altstadt zu fahren. Dem Leiter des Kurses log ich vor, ab jetzt unabwendbar auf meinen kleinen Bruder aufpassen zu müssen und dass ich nicht mehr kommen könne.

Jeden Freitag wollte Dora mich nicht da haben, da nicht ständig Männer kamen, die mich dazu buchen wollten. Zum anderen hatte sie auch Angst um mich. Sie wollte auf keinen Fall, dass ich zu viel von der Altstadt mitbekam. Sie sorgte immer dafür, dass ich von der Haltestelle abgeholt und wieder zurückgebracht wurde. Manchmal begleitete sie mich sogar selbst zur Straßenbahn, wenn ihr Sklave nicht anwesend war. Als ich das nächste Mal bei ihr eintraf, hatte sie tolle Klamotten für mich bereitgelegt. Sie gab mir einen engen schwarzen Lederrock, eine passende Leder-Korsage und höhere schwarze Pumps. Auf diesen Schuhen musste ich erst einmal laufen lernen. Wenn ich es könne, dürfte ich auch High Heels tragen, versprach sie mir. Bereits nach einigen Probeläufen durchs Zimmer fühlte ich mich auf den Pumps relativ sicher. Dora war begeistert und nannte mich ein Naturtalent. Sie entschied, ich solle im Studio nicht den richtigen Namen tragen. Ich fragte, ob wir meinen Spitznamen Amanda nehmen könnten, womit sie einverstanden war. Meine langen goldblonden Haare durfte ich offen tragen und Dora schminkte mich gekonnt, wobei ich mir richtig erwachsen, sogar ein wenig damenhaft vorkam. Es war, als ob ich in eine andere Person schlüpfte. Ich fühlte mich von einem Moment auf den anderen unheimlich verändert und mochte diese neue Rolle ungemein. Falls mir einige Szenarien während einer Session zu viel würden, könnte ich ruhig ins Barockzimmer gehen, bemerkte Dora. Es wäre nicht schlimm. Sie übte keinen Zwang auf mich aus, sondern überließ mir immer die Entscheidung. Mir gefiel dies an ihr und es machte sie in meinen Augen noch anziehend sympathischer, als sie es ohnehin schon für mich war. Ich konnte ihr vertrauen, was für mich das Wichtigste überhaupt war.

Dora und ich betraten den Raum, in dem ein Kreuz war. Ich stellte mich abseits hin, während Dora sich in der Mitte des Raumes postierte, um den Sklaven zu empfangen. Er kroch auf allen Vieren, vollkommen nackt, auf sie zu. Im Mund trug er einige Geldscheine, die er brav wie ein Hund seiner Herrin brachte. Dora nahm ihm die Scheine aus dem Mund und ließ sie in ihrem Leder-BH verschwinden. Der Sklave hatte eine vorgeschriebene Haltung einzunehmen und kauerte auf dem Boden. Dora schritt in ihrem hautengen Lederkleid auf schwindelerregend hohen Absätzen um ihn herum und begutachtete ihr „Objekt“, wie sie es nannte. „Steh’ auf!“, herrschte sie ihn an. Gehorsam erhob sich der Mann. Sie befahl ihm, sich mit gespreizten Beinen, mit dem Rücken zur Wand, ans Kreuz zu stellen, an dem er dann mit Ketten an Hand- und Fußgelenken festgemacht wurde. Nun setzte sie ihm Klammern an seine Brustwarzen und an seinen Schwanz. Dann bohrte sie einige Nadeln in diverse Stellen seines Körpers. Bei diesem Anblick erschauderte ich. Mit der Zeit hatte sie mir einige Fachausdrücke beigebracht. So wusste ich, dass der Mann in diesen Sitzungen Sklave genannt wird, sein Glied Schwanz heißt oder andere Namen bekommt. Sogar die gewissen Peitschen hatten spezielle Bezeichnungen. Nun hatte der Sklave seine Augen offen zu halten und mich anzuschauen. Mir war es etwas peinlich, einem nackten Mann gegenüber zu stehen, der völlig wehrlos gefesselt da stand. Erstaunlicherweise schaffte ich es, mir dies nicht anmerken zu lassen. Gebannt beobachtete ich, wie sie an seinem Schwanz hantierte, was der Sklave mit Winseln und Stöhnen quittierte. Als sich Dora kurz zur Seite wandte, konnte ich sehen, wie der Schwanz des Sklaven richtig groß, fest und steif wurde. Aus den Pornofilmen kannte ich diesen Anblick. Dies war auch ein Anzeichen dafür, dass es dem Mann gefiel, was die Frau mit ihm tat. Dann schlang Dora ihm einen Lederriemen um sein Glied und die Hoden. So genau konnte ich diese Szene leider nicht sehen, da sie meist genau vor ihm stand. Er jedenfalls stöhnte lustvoll, genau wie die Männer in den Pornos. Er schien es zu genießen, auch wenn es auf mich irgendwie grausam wirkte.

Nach einer Weile band Dora ihn los und befahl ihm, sich auf den Boden zu knien, da er jetzt eine Ausbildung als Lebendmöbel absolvieren müsse. Ich verstand gar nichts. Was war ein Lebendmöbel? Gleich sollte ich mehr wissen. Dora befahl ihm, den Rücken gefälligst nicht krumm zu halten, so könne sie nicht bequem sitzen. Der Sklave bemühte sich nach Kräften, mit geradem Rücken zu knien, so sah er mit viel Einbildungskraft wie eine Sitzbank aus. „Und jetzt bewegst du dich nicht mehr, klar? Und wage es nicht, kräftig zu atmen! Ich hasse Vibrationen unter meinem Körper!“ Dann wandte sie sich zu mir: „Amanda, geh in die Bar und hole mir einen Kaffee!“ Etwas irritiert, trotzdem gehorsam, ging ich los und brachte ihr den gewünschten Kaffee, womit ich nur einen tadelnden Blick von ihr erntete. „Wo bleibt der Aschenbecher?“ „Oh, Verzeihung Madame“, flüsterte ich und beeilte mich diesen schnell heranzuschaffen. Eilends kam ich mit dem Ascher zurück, was ihre Laune noch immer nicht besserte. Wieder nörgelte sie mit mir: „Prima, Amanda! Du bringst mir den Aschenbecher, indes kannst du mir verraten, was ich nun rauchen soll?“ So kannte ich sie nicht. Ich vermutete aber, ihr scharfer Ton gehörte zum Spiel. Ich lief nochmals los, um ihre Zigaretten aus dem Barockzimmer zu holen. Diesmal war ich allerdings so geistesgegenwärtig, ein Feuerzeug mitzubringen, um mir nicht noch einen Anranzer von ihr einzufangen oder noch einmal gehen zu müssen. Ihr Blick zeigte mir, was sie erwartete. Ich sollte ihr förmlich eine Zigarette anbieten und ihr Feuer geben. Während sie genüsslich an ihrer Zigarette saugte, stellte sie ihren High Heel ein wenig zur Seite, worauf sich der hohe Absatz in die Handoberfläche des Sklaven bohrte. „Du sollst still halten, oder soll ich vielleicht von meiner Sitzbank herunterfallen?“, schimpfte sie. Der Sklave verzog keine Miene, stattdessen entschuldigte er sich und Madame nahm gütig den Absatz von seiner Hand. Nach dem letzten Zug aus ihrer Zigarette übergab sie mir die leere Kaffeetasse nebst Aschenbecher und befahl mir, beides aufzuräumen. Danach sollte ich umgehend zurückkommen und mich auf die Bank im hinteren Bereich des Raumes setzen. Als ich zurückkam, stand der Sklave aufrecht, mit gefesselten Händen. Dora ließ den Flaschenzug ein Stück herunter, hakte den Metallhaken in seine Handfessel und zog ihn hoch, so dass seine Füße nicht mehr den Boden berührten. Dann schnürte sie ihn mit einem langen schwarzen Seil ganz und gar ein, nun sah er wie eine Roulade aus. Ich musste mich stark beherrschen, nicht laut zu lachen. Dieser eingewickelte Mann sah dermaßen lustig aus. Später erfuhr ich, solche Praktiken nannte man Bondage. Eine gute halbe Stunde ließ sie ihn hängen und machte etwas anderes. Seine Augen hatte sie mit einer Maske bedeckt, so konnte er nicht sehen, was sie tat. Dora legte diverse Gegenstände bereit, mit denen sie ihn im Anschluss noch behandeln wollte. Dann ging sie langsam auf den Sklaven zu, schmiegte ihren Körper kurz an seinen und ließ ihre langen Fingernägel genüsslich über seine nackte Haut gleiten. Mit den verschiedenen, vorher bereitgelegten Gegenständen behandelte sie ihn. Leider konnte ich aus meiner Ecke im Halbdunkel nicht alles genau erkennen. Der Sklave jedenfalls stöhnte vor Lust und ich verspürte den Drang, so etwas auch einmal zu machen. Nun ließ sie ihn herunter, löste das Seil und wickelte es ab. Sein Körper war übersät mit hellroten Striemen. Sie befahl ihm, auf Knien zu ihr zu kriechen und drückte ihm einen Schuhputzlappen in die Hand. „Du wirst jetzt zu meiner Tochter kriechen und ihr ordentlich die Schuhe putzen, hast du verstanden? Und gnade dir Gott, wenn du sie anschaust oder ihre Beine berührst. Freundchen, dann setzt es etwas!“, drohte sie ihm. Es war ein merkwürdiges Gefühl, diesen nackten Mann vor mir knien zu sehen, zu spüren, wie er meine Schuhe polierte. Ich fühlte mich unbehaglich dabei. Er polierte die Schuhe, bis sie glänzten, immer den Blick gehorsam in Richtung Boden gerichtet. Dora beaufsichtigte dieses Szenarium aufmerksam, bereit, ihn sofort abzustrafen, falls er sich ihren Anordnungen widersetzen sollte. Irgendwann riskierte er doch zaghaft einen Blick auf mich. Dora war dies natürlich nicht entgangen. Sie stürmte wie eine Furie auf ihn zu, griff in sein Halsband und zerrte ihn zeternd durch das halbe Studio. „Runter“, brüllte sie ihn an und trat gnadenlos mit ihren hohen High Heels auf ihn ein, während ihre Peitsche wieder und wieder auf seinen nackten Arsch klatschte. „Ich hatte dir untersagt, meine Tochter anzuschauen!“ Dabei unterstrich sie jeden einzelnen Schlag mit einem Wort. „So was wirst du nie wieder tun, klar?“ Er stöhnte immer lauter, wobei ich nicht wusste, ob es vor Schmerzen oder vor Lust war. Dora jedenfalls hörte nicht auf, auf ihn einzuschlagen, bis sein Stöhnen richtig laut wurde und er zu zittern anfing. Dabei sah ich, wie eine milchige Flüssigkeit aus seinem Glied schoss. Augenblicklich hörte Dora auf ihn zu schlagen, der Zorn in ihren Augen war mit einem Mal verflogen. Der Mann stand auf und äußerte atemlos: „Dankeschön, Herrin, es war wunderbar!“

Nachdem der Mann gegangen war, hatte ich viele Fragen. Dora war bereit, mir alles genau zu erklären. Zum Beispiel, dass es nicht gefährlich wäre, dem Kunden Nadeln zu setzen. Sie wüsste genau, wo man diese Nadeln setzen könne, ohne dass der Kunde Schaden nehmen würde. Genauso verhalte es sich mit den Peitschenhieben, erklärte sie. Man dürfe nicht bedenkenlos auf jede Körperregion schlagen, weil der Kunde dann innere Verletzungen davontragen könne. Ich erkannte, wie man als Herrin ein fundiertes Wissen brauchte. Schließlich sollte der Kunde unbeschadet ihr Studio wieder verlassen. Dora verdeutlichte mir, dieser Kunde wollte die Schläge und Behandlungen. Im Vorgespräch hatte er dies ausdrücklich so gewünscht. Eine Session wäre im Grunde nichts anderes als ein Rollenspiel. Der Kunde legte seine geheimen Wünsche offen, die Herrin erfüllt sie ihm. Nichts, wovor man Angst zu haben brauchte. Es sei eben ein Geben und Nehmen, ein Spiel! Die Herrin gab ihm etwas, was seine Frau zu Hause ihm niemals geben könnte oder geben würde. Er gibt der Herrin dafür Geld und am Ende ist jeder zufrieden. Dies leuchtete mir ein, nahm mir die Scheu und meine Begeisterung für diese Sache wuchs. Dora erklärte mir weiter, dass zum Beispiel dieses Putzen der Schuhe eines jungen, unschuldigen Mädchens für den Kunden die Erfüllung seiner Träume gewesen wäre. Diese Inspiration hätte er schon lange gehabt. Dann hatte es seine Erregung ins Unermessliche gesteigert, dafür bestraft zu werden, in Bezug auf ein junges Fräulein verdorbene Begierden zu haben. Viele Männer liebten es auch, die hohen Schuhe einer eleganten Dame zu lecken, zu liebkosen, belehrte mich Dora. Fast verstand ich, dass es für manche Männer wohl gleichzusetzen war mit Sex, wenn eine Domina sie gnadenlos folterte. „Genauso ist es, Andrea“, bestätigte mir Dora und strich mir übers Haar. „Männer haben die verschiedensten Fantasien, die sie nur von einer Dame wie mir erfüllt bekommen. Auch lieben manche Kunden, als Baby behandelt, gewickelt und gepudert zu werden. Andere wiederum möchten auf dem Stuhl im Arzt-Raum einer peinlichen Untersuchung unterzogen werden.“

„Das gefällt ihnen? Ja aber“, begann ich, „wollen diese Männer denn keinen normalen Sex mit einer Frau, wie im Pornofilm?“ „Doch“, lächelte Dora vielsagend, „natürlich wünschen sich einige Herren Zärtlichkeiten und erotisches Vergnügen mit mir. Ha ha, sie dürfen weiter träumen! Selbst mich anzufassen ist tabu, so was darf ich niemals zulassen!“ „Warum nicht?“, fragte ich.

„Ganz simpel, weil ich dann nicht mehr die unantastbare Herrin für sie wäre und sie keinen Respekt mehr vor mir hätten, wenn ich mich ihnen stöhnend hingeben würde, verstehst du? Ich bin eine Herrin, stolz und mächtig und nur ihre Herrin, kein Sex-Spielzeug. Diese Wünsche erfüllen den Kunden andere Damen. Hast du die beiden Mädchen an der Theke gesehen?“ Ich nickte. „Diese beiden gehen mit den Männern ins Barockzimmer, wenn die Männer mich nach Sex fragen!“ Sie erklärte mir weiter, es gäbe auf der Straße sogenannte Etablissements, wo Frauen und Mädchen den Männern Sex für Geld bieten würden. Die Frauen würde man Huren nennen. Man spräche sich ab und wenn die Hure mit den Vorlieben des Mannes einverstanden sei und der Preis stimmte, dann ginge man gemeinsam aufs Zimmer. Dort bekäme der Mann, was er sich sexuell wünschte. Verstanden habe ich es jedoch nicht, wie ein Mann mit einer völlig fremden Frau einfach Sex machen konnte und umgekehrt. „Ja“, antwortete Dora, „Männer sind so, Kleines. Wenn ihr Schwanz steif ist, dann setzt ihr Gehirn aus und sie wollen nur noch ihren Trieb befriedigen.“ „Sind alle Männer so?“, fragte ich erschrocken und dachte dabei irgendwie an meinen Vater. „Fast alle, Kleines, ja, fast alle“, versicherte mir Dora schmunzelnd.

An diesem Tag hatte ich mehr gelernt, als mein Gehirn auf die Schnelle verarbeiten konnte. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich alles verinnerlicht hatte, was ich an diesem einzigen Nachmittag gesehen und gehört hatte. Wieder und wieder ließ ich die Session vor meinem geistigen Auge Revue passieren und je öfter ich diesen kleinen Film in der Tiefe ablaufen ließ, desto mehr entstand in mir der Wunsch, selbst einmal einen Mann auszupeitschen, ihn zu behandeln und herumzukommandieren. Ich glaube, an diesem Tag wurde der Grundstein für mein späteres Leben als Domina gelegt, auch wenn ich davon natürlich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die geringste Ahnung hatte.

Nach vielen Sessions, die ich als stille Beobachterin miterleben durfte, gab Dora mir irgendwann zum ersten Mal eine Peitsche in die Hand. Ich hatte auf meinem inzwischen schon angestammten Platz im Halbdunkel des Raumes auf der Bank gesessen, als Madame Dora auf mich zu kam, mir die Peitsche in die Hand drückte, und freundlich anordnete: „Amanda, dies ist nun deine Peitsche, gehe hin und bestrafe diesen Sklaven, er hat es verdient!“ Voller Stolz erhob ich mich und schritt auf den Sklaven zu, der erwartungsvoll am Boden kniete. Endlich durfte ich auch einen Sklaven schlagen. Ein wenig Hemmungen hatte ich deswegen durchaus, doch besonnen zeigte mir Madame Dora, wie man die Schläge auf dem Sklavenarsch richtig positionierte. Weder darüber die Nieren treffen, noch die weiche Haut der hinteren Oberschenkelpartie, denn dort kann es richtig hässliche Striemen hinterlassen, oder die Haut konnte sogar reißen. Zuerst etwas zaghaft, setzte ich den ersten Hieb und sah zu Dora hinüber. Sie nickte mir zu und ermunterte mich zum Weitermachen. Nach dem zweiten und dritten Schlag lobte sie mich und forderte mich auf, nun gleichmäßiger, kräftiger, sogar ein wenig schneller zu schlagen. Zehn gleichmäßig starke Hiebe sollte ich dem Sklaven verpassen. Ich war wirklich erstaunt, wie leicht mir dies von der Hand ging. Die Erstbenutzung einer Peitsche auf das nackte Gesäß des Sklaven Hermann ließ mich eine Empfindung durchströmen, die ich nie vergessen werde. Dabei verspürte ich keine Skrupel und betrachtete den Mann, der vor mir auf dem Bock lag, eher als ein Stück Fleisch, ein Schnitzel, welches ich klopfen sollte. In ihm sah ich keinen realen Menschen. Dora ging noch einen Schritt weiter mit mir. Nun durfte ich ihr helfen, den Sklaven Hermann am Kreuz zu fixieren, ihn zu behandeln, was mich ungeheuer stolz machte. Sie setzte ihm eine Brustklammer links, ich musste das Gleiche rechts tun. Auf ihre Anweisung kopierte ich jede von ihren Handlungen. Wenn es einmal nicht in ihrem Sinne war, korrigierte sie mich kritisch, bestimmend doch höflich. Natürlich gab ich mir viel Mühe, um ihren Anforderungen gerecht zu werden. Schon lange hatte sie in mir dieses Potential einer Jung-Domina erkannt und offenbarte mir dies nun. Ich war so stolz darauf! Dora hatte unheimliches Entzücken daran, mir ein solches Handling mit der Peitsche, dem Wachs, den Ketten, den Umgang mit dem Sklaven und vieles mehr beizubringen. Nur mit der verbalen Erniedrigung haperte es bei mir noch, damit konnte ich noch nicht viel anfangen. Es gelang mir nicht, so viel Spott, Ärger oder auch Güte in meine Stimme zu legen, wie es die Herrin selbst tat. Sie beruhigte mich, ich sei noch viel zu jung, um eine ebenbürtige Dominanz wie die ihre auszustrahlen. „Keine Sorge Schätzchen“, beruhigte sie mich, „ab einem gewissen Alter und mit genug Erfahrungen, kommt dein Charisma von ganz alleine.“

Sie ließ es nicht zu, dass ich einen Schwanz anfasste, es sei zu früh für mich. Die erotischen Behandlungen durfte ich weder vornehmen noch daran teilnehmen. Während dieser Behandlungen schickte sie mich ins Prinzessinnen-Zimmer, in dem ich aber das Schiebefenster einen Spalt weit öffnen durfte, wenn ich zuschauen wollte. Falls es mir allerdings zu eklig werden würde, solle ich sorglos das Fenster schließen. So führte sie mich schonend an viele Praktiken heran und gab mir Zeit, mich an diese neue Erfahrung der Dominanz zu gewöhnen. Nur an die Behandlungen, wo sie den Männern verschieden große Dildos in den Po steckte, konnte ich mich nicht gewöhnen und ich wollte dabei auch nicht mehr zuschauen. Man nannte so was Analbehandlung. Ich fand es nur abstoßend, scheußlich und kacke. So war der Klinikraum für mich gestrichen und ich durfte dabei nicht mehr zuschauen. Das war mir auch lieber, denn die Klinikbehandlungen erinnerten mich zu unangenehm an meine Aufenthalte in Krankenhäusern.

Die Wochen vergingen und ich lernte immer mehr. Voller Erwartung sehnte ich die Treffen bei Madame Dora herbei, sie gehörten inzwischen fest zu meinem Leben. Zweimal in der Woche fuhr ich nachmittags in die Stadt. Meine Freundinnen beschwerten sich, ich würde sie völlig vernachlässigen. Dennoch genossen sie es, durch mich einen so tiefen Einblick in dieses geheimnisvolle Geschehen zu erlangen. Ich liebte dieses Spiel der Macht und der Bestrafung, ich genoss es, den Sklaven vor mir kriechen zu sehen, ihn um Gnade winseln zu hören. Meine Eltern hätten bestimmt einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie gewusst hätten, womit ich mich beschäftigte und dass ich davon träumte, später eine Herrin zu werden. Dabei hatte ich ein seltsames untrügliches Gespür, dazu geboren zu sein, den Männern zu sagen, wo es lang geht. Was sich später dann tatsächlich bewahrheiten sollte. Ach, es war ein cooler, aufregender, vor allem bedenkenloser Zeitabschnitt und irgendwie dachten wir Freundinnen wohl alle, dies würde nie enden. Wir würden immer auf der Sonnenseite des Lebens wandeln, uns könnte niemals etwas Schlimmes passieren, es würde problemlos so weitergehen. Es war gut, dass damals keine von uns ahnte, welche Herausforderungen und Bürden einem auf dem Weg des Erwachsenwerdens begegnen. Viel zu früh erlebte ich solche Seelenschmerzen, die meine unkomplizierten, wilden Mädchenjahre jäh enden ließen.

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